Abenteuer

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Zum ersten Mal
in all den Tagen, Jahren,
Ewigkeiten …

Zum allerersten Mal
in meinem ganzen Leben
werde ich
alt.

 

 

 

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12 Minuten DRIFT, Rum & ich …

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Die „Neue Rechte“ auf der Couch

Vorweg und bevor Missverständnisse entstehen:

Dies ist ein Modell! Ist ein Modell! Ist ein Modell!

Es ist natürlich „verboten“ Psychodiagnostik auf gesellschaftliche Phänomene anzuwenden. Deswegen vereinfache ich hier unzulässig und nenne den „Neuen Rechten“ einmal Bernd. Als Einzelner kann er anhand seiner Aussagen durchaus auf seine Persönlichkeitsmerkmale hin untersucht werden. Das Ergebnis macht hoffentlich deutlich, weshalb es wenig erfolgversprechend ist, sich mit Bernd auf Diskussionen seiner Ideologie einzulassen.

couch

Wer ist nun dieser Bernd?

Zuerst einmal ist unser Bernd ein Konglomerat aus unterschiedlichen Gruppen, die sich zeitweise zu Aktionen zusammenschließen, sich nach außen moderat und kreativ geben, tatsächlich aber Rassismus und Nationalismus sozial akzeptabel machen (wollen). Auf diesem Hintergrund wird zu Gewalt ermutigt und gewalttätiges Handeln legitimiert.

Versuch einer Bernd-Analyse mittels des Diagnostiktools OPD2

41-H6ZAZ5BL._SX345_BO1,204,203,200_Begriff: OPD2 = Operationalisierte psychodynamische Diagnostik 2; Mit diesem Tool kann man Psychopathologie darstellen, erfasst wird ausschließlich Dysfunktionalität, das heißt: Was gut gelingt im Leben, gelingt halt. Das ist okay. Also wenn jemand isst, schläft, Hygiene betreibt, einen Tagesrhythmus hat, seine Aufgaben hinkriegt, Beziehungen pflegt, andere Leute nicht schädigt, Freude empfinden kann, ist alles super.

Was bei Bernd direkt auffällt: Er hat diverse Sorgen und Baustellen, ein umschriebener innerer Konflikt ist nicht auszumachen. Man könnte also vermuten, Bernd hat eine Persönlichkeitsstörung, das heißt, er verfügt nicht über ausreichend innere Stabilität, um mit den aktuellen Bedingungen und Anforderungen klarzukommen. Nur merkt er selbst das nicht, sondern er wird auffällig in den Punkten: Beziehungen und andere Leute nicht schädigen. Nachfolgend beschreibe ich anhand von Bernds Aussagen (Fußnoten geben die Quellen an), was ich meine.

Produktion von Feindbildern:

„Die One-World-Ideologen wollen nicht ein bißchen politische und kulturelle Gleichschaltung, das war das 20. Jahrhundert, das ist Vergangenheit. Sie wollen die totale anthropologische Gleichschaltung.“[1]

Interpretation: Was für eine seltsame Unterstellung! Das ist es, was Humanist*innen (hier als Ideologen diffamiert) nicht wollen. Vielfalt und Bereicherung oder Koexistenz sind die Ziele. Integration aller Menschen in eine Gesellschaft, nicht Assimilation durch eine Gesellschaft. Diese Unterstellung zeugt von Bernds Problemen in der Objektwahrnehmung. Das Bild des anderen ist durch Projektionen von eigenen Befürchtungen (in diesem Falle die „Gleichschaltung“, also die Auflösung der „Identität“, des Selbst) geprägt. Außerdem wird generalisiert: „die totale …“, eine Formulierung, die mit Hitlers „totalem Krieg“ assoziiert werden kann.

panzer

„Die etablierte Politik und die mit ihnen verbündeten Leitmedien setzen hier auf das bewährte divide et impera, auf die Parole „Teile und herrsche!“ So versucht das Establishment, eine erfolgreiche neue politische Kraft dadurch unter ihre Kontrolle zu bringen, daß sie den augenscheinlich systemferneren Teil stigmatisiert und abtrennt und den systemnäheren Teil umwirbt und assimiliert.“ [1]

Interpretation ähnlich wie oben. Falsche Zuschreibungen im Sinne von Projektionen. Interessenausgleich ist schwierig: die Beziehung – in dem Falle zu den gewählten Vertretern – ist durch das Gefühl der Bedrohtheit eigener Interessen geprägt. Eine Vorstellung von den Interessen des anderen (z.B. eine möglichst unabhängige Berichterstattung) fehlt. Bei gut integrierter Struktur wäre ein Interessenausgleich selbstverständlich.

„6.6 Für ein klares Familienbild – Gender-Ideologie ist verfassungsfeindlich

Die Gender-Ideologie marginalisiert naturgegebene Unterschiede zwischen den Geschlechtern und stellt geschlechtliche Identität in Frage. Sie will die klassische Familie als Lebensmodell und Rollenbild abschaffen. Damit steht sie in klarem Widerspruch zum Grundgesetz, das die (klassisch verstandene) Ehe und Familie als staatstragendes Institut schützt, weil nur dieses das Staatsvolk als Träger der Souveränität hervorbringen kann.

guillotineDie Ideologie des Multikulturalismus gefährdet alle diese kulturellen Errungenschaften. „Multi-Kultur“ ist Nicht-Kultur. Sie löst die Gemeinschaft auf und befördert die Entstehung von Parallelgesellschaften. Dauerhafte existierende Parallelgesellschaften führen sehr oft zu innenpolitischen Konflikten und können letztlich sogar den Zerfall eines Staates bewirken.“[2]

Interpretation: Falsche Zuschreibungen. Versuch, die eigene, unsichere Identität durch festgelegte, quasi naturgegebene (man könnte ebenso gut gottgegebene sagen) Bestimmtheit zu sichern. Die Vielfalt wird als bedrohlich für das Selbst verstanden. Ihr wird unterstellt, das Selbst vernichten zu wollen.

Abwertung:

„Denn mit der AfD konnte sich zum ersten Mal seit Jahrzehnten eine politische Kraft in der Bundesrepublik Deutschland etablieren, die für Selbstbehauptung und nicht für Selbstaufgabe steht. Und das in einem Volk, das alt, kinderlos und zukunftsvergessen ist, weil es materialisiert, infantilisiert und neurotisiert wurde. Die Bundesdeutschen sind in meinen Augen eine historisch einmalige Mischung aus Spaßgesellschaft und Schuldgemeinschaft.“[1]

Interpretation: Selbstüberhöhung zu Lasten des anderen: Damit wird eine behauptet progressive Elite (die AfD) dem tumben Volk gegenübergestellt und dieser Elite das Vertrauen ausgesprochen, das Volk aus seiner Lethargie, seinem Neurotizismus und seiner Verkommenheit, die in es hineingepflanzt wurde (das Feindbild ist implizit), herauszuführen, messianisch quasi, und zwar mittels „Selbstbehauptung“, nicht etwa per Selbstwert vermittelter Selbstwirksamkeit.

Mangel an Empathie

„1.12 Vertragsfreiheit bewahren

Die AfD tritt für die Bewahrung bzw. Wiederherstellung der bürgerlichen Selbstbestimmung im Zivilrechtsverkehr ein. Deshalb lehnen wir sogenannte ,,Antidiskriminierungsgesetze“ ab. Zentraler Grundwert einer freiheitlichen Zivilrechtsordnung ist die Vertragsabschlussfreiheit. Das ist die Freiheit jedes Einzelnen, selbst darüber zu entscheiden, ob er mit einem anderen Bürger in rechtliche Beziehungen treten will oder nicht. Unter dem Einfluss der Europäischen Union wird dieses fundamentale Prinzip der Privatautonomie in der deutschen Gesetzgebung Schritt für Schritt zerstört.“[2]

Interpretation: Die Erlebniswelt anderer kann nicht nachempfunden werden. So werden zum Einen Gruppen vereinnahmt („du bist wie ich“, Verschiebung bzw. Aufhebung von Grenzen) und zum Anderen wird das Selbst (hier: die Gemeinschaft) in scheinautonome Individuen zersplittert und entsolidarisiert.

Generalisierung:

„4.3 Organisierte Kriminalität bekämpfen

Die Organisierte Kriminalität muss nachhaltig bekämpft werden. Die aus ihren Straftaten erzielten „Gewinne“ müssen restlos abgeschöpft werden. Da die Mehrzahl der Täter im Bereich der Organisierten Kriminalität Ausländer sind, soll bei begründetem Verdacht die Zugehörigkeit zu einer derartigen Organisation als Ausweisungsgrund eingeführt werden.“[2]

Interpretation: Falsche Zuschreibung und Generalisierung – hier: (Fast) alle Ausländer sind kriminell organisiert. Mangelnde Kenntnis von Organisierter Kriminalität (OK). Geplante Mittäterschaft in der OK – hier: Gewinne abschöpfen, was ja OK wäre! Kriminalität ist ein Hinweis auf eine geringe oder fehlende strukturelle Integration. Und die mangelnde Kenntnis der Zusammenhänge wirkt auch ein wenig ulkig.

Was machen wir nun mit Bernd?

Dies sollen Beispiele sein, die darstellen,  wie wenig Zweck es hat, Bernd von anderen Vorstellungen überzeugen zu wollen. (Es gäbe derer viele und andere mehr.) Er kann es sich einfach nicht leisten nicht um seiner Selbst willen – sich anderen Argumenten zugänglich zu zeigen. Denn würde er Empathie statt Egozentrismus, Differenziertheit statt Generalisierung, Respekt statt Abwertung und Zuwendung statt Feindbildprägung hinbekommen, wäre Bernd nicht mehr Bernd, sondern ein wirklich netter Kerl, mit dem ich gern ein Bier trinken, über unser aller Haus – die Welt – plaudern und eine gute Nachbarschaft pflegen würde. Da das nun nicht geht, ist es nötig, Bernd zu sagen, dass er sein kann wie er will, nur nicht auf anderer Leute Kosten. Das ist nämlich, wenn Bernd es auch nicht verstehen kann wegen seines Mangels an innerer Struktur, verboten.

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Soll heißen: Da es der „Neuen Rechten“ nicht möglich ist, die Positionen aufzugeben, die Menschen diffamieren, herabsetzen, marginalisieren und mit Gewalt bedrohen, weil sie dann nicht mehr die „Neue Rechte“ wäre, müssen wir, die wir nicht Teil von ihr sind, integrierende, solidarisierende, wertschätzende und allgemein humanistische Positionen dagegensetzen, wenn wir ein gutes Leben haben wollen.

Lasst uns an unserem Gemeinwesen werkeln, die Bausubstanz ist noch gut und den Rest kriegen wir schon. Wollen wir?


[1]Björn Höcke: http://www.bjoern-hoecke.de
[2] Aus dem Wahlprogramm der AfD

 

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Das beste Krimi-Magazin auf Welt, is klar:

Das Januar-CrimeMag ist da!

Folgt dem Link – stöbert und lest und lasst Euch unterhalten! Diesmal wird z.B. ausführlich über den merkwürdigen Mister Dynamit erzählt und das Phänomen  seiner Popularität betrachtet. Aber auch Veranstaltungshinweise und Joachim Ringelnatz sind in der neuen Ausgabe dabei, ebenso wie Buchtipps bzw. -warnungen in den Bloody Chops.

kopf1

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#verlagegegenrechts Macht mit!

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Von einem Jahr zum nächsten …

a-horz

An das Alte

Mach’s gut, liebes Jahr,
du hast dich ausgelebt.
Hab Dank für deine angeschmutzten Tage,
die Nächte geb ich unberührt zurück.
Dein Frühling war fad,
der Sommer so karg,
den Herbst kannst du betrinken.
Nun schlag dich los
und lass den Winter wehen.

Ich klaube meine Freunde aus dem Eis
und wärme ihr Gefieder.
Wir segeln auf dem Nachtwind zu den Eulen,
lachen laut und lieber,
statt dass wir mit den Wölfen heulen.

a-horz

An das Neue

Da bist du ja.
Der Count down läuft.
Komm rein und lass den Korken knallen.
Ich blas in die Glut,
gieß Feuer ins Öl,
zünde die kurze Lunte.
Damit es so hell wird,
dass die Ewigkeit glitzert
für eine Achtelltrillionstel-Millisekunde.

sil5

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Kultur-Highlights 2017

Der gigantische Jahresrückblick von

CULTurMAG

ist da! Folgt dem Link und lasst Euch überraschen. Ihr habt ja noch das ganze nächste Jahr Zeit zum Stöbern und Lesen. In Teil 7 ist ein Beitrag von mir drin. Viel Vergnügen! Kommt alle gut hinein in dieses Neue und fühlt Euch froh darin.

 

blog

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Meister und Margarita – eine Allgeschichte

bul1An den Bruchkanten der Geschichte wuchert die Groteske. Michail Bulgakows Meister und Margarita ist so ein fantastisches Stück Literatur. Das Werk ist nicht nur eine üppig ausgestattete Satire auf das Zeitgeschehen in der jungen Sowjetunion, deren Bürokraten längst die kommunistischen Ideale verraten hatten und im öffentlichen Leben wie in der Literatur hegemonial agierten, als sei der zaristischen Gesellschaft ein proletarisches Banner übergeworfen worden, nachdem Nikolai II. es nicht in die Moderne geschafft hatte, sondern es verflicht Geschichte, Religion, Ideologie und conditio humana unter schwierigen Wohnbedingungen zu einem opulenten Sittenbild im Moskau der 1920er Jahre. Voland, seines Zeichens Teufel mit bul2eingeschränkten Optionen, und sein Kater Behemoth führen uns durch drei Handlungsstränge. Während die Moskauer Gegenwart, in der der Lyriker Iwan Besdomny (übersetzt: Hans Hauslos) in die Psychiatrie gerät und sein Redakteur (wörtlich) den Kopf verliert, nur so schillert von fantastischen Absurditäten, wird die Geschichte von Jesus, dem naiven Urkommunisten, und Pilatus, dem depressiven Großinquisitor, in realistischer Manier erzählt. Klammer und Kondensationspunkt ist Voland mit seinem Gefolge in der legendären Wohnung No. 50. Neben dem ebenfalls psychiatrisch internierten Meister und der fliegenden Margarita (man muss an Lilith denken) ist Voland vielleicht die menschlichste Figur in Bulgakows Kosmos. Er und sein (Un)wesen verweisen auf die Faustsche Fragestellung nach dem Preis des Menschlichen. Bulgakow verwebt Dostojewkis Befürchtungen hinsichtlich eines bluttriefenden Revolutionsausgang wie in Frankreich und dessen Sinnfragen mit der Wahrheitssuche in Gogols Toten Seelen.

Bulgakow arbeitete von 1928-1940 an Meister und Margarita und diktierte zuletzt seiner Frau Jelena die Sätze in die Hand, bevor er, noch nicht 50jährig, an Nierenversagen starb. Erst 1966 wurde der Roman veröffentlich, wenngleich nicht unzensiert. Zu bedrohlich muss seine Komik für das Regime gewesen sein. Er wurde zum meistgelesenen Roman der Sowjetliteratur und in viele Sprachen übersetzt. Mick Jagger komponierte nach seiner Lektüre Sympathy for the devil. Ich las ihn vor 40 Jahren in der Schule. Und jetzt wieder. Und ganz sicher noch ein weiteres Mal, weil ich mich seinem Irrwitz, seiner Buntheit und seiner tiefen Humanität nicht entziehen kann.

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Sozialkannibalen

mm-vertNahe beim Hühnerstall
flattert die Flagge –
schwarzrotgold mit Flügeltier.

Drei Hennen rennen,
scharren und kratzen
um die Wette mit den Spatzen
und rupfen der Schwarzen
die Federn aus.

Beim ersten Hahnenschrei liegt sie
nackt und tot am Fahnenmast.

Die Hennen hetzen,
picken und fetzen
sich um ihre Haut, wetzen
die Schnäbel, gackern,
schütteln’s Gefieder
um die Würde der Braut.

Der Hahn grinst und raucht
hinterm Zaun seine fette Zigarre.

Wo sind nur Max und Moritz,
wenn man sie mal braucht?

 

 

 

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Mini-Literatur

dbSieger?

 

Du willst das Wichtige, das Tolle, das Richtige,
das volle Glas und nicht das leere?
Du willst das Geld, den Ruhm, die Ehre?
Nicht das Kleine, Gemeine und Nichtige?
Pass auf!
Denn ich bin die Erbse in deinem Schuh,
das Zweiglein, über das du stolperst.
Ich bin die Krume in deinem Bett,
von der du nichts weißt.
Pass auf!
Das Kleine beißt.

 

 

 

 

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