Mini-Literatur

DSC_4263_3045ZeichenFrei

Verwittert die Zeichen,
kein Lied für die Nacht,
keine Silbe für Nowhere,
keine fürs Meer.
Kein X für ein U.

Er hatte sie unter der Hand.
Nun muss sie von da aus.
Von hier,
wo nichts ist
außer, naja,
nichts.

Macht nichts.
Wenn sie die Zeichen nicht hat
und nicht nichts,
hat sie ja  immer noch
sich.

 

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Monika Geier: Alles so hell da vorn [Rezension]

61TDOi0mIWL._SX318_BO1204203200_Impressionistisch, punkig und knallhart

Schwerer, heißer August. Unter der boshaften Eibe, die Tante Elfriedes Anwesen bewacht, bleibt es ebenso feuchtkalt wie in dem alten Kasten von Haus. Einiges ist in Bettina Bolls Leben passiert seit sie in „Die Hex ist tot“ ermittelte, halbtags, versteht sich. Die Kinder ihrer toten Schwester sind gewachsen, Tante Elfriede liegt auf dem Friedhof und der klapprige Taunus macht’s auch nicht mehr lange. Immerhin hat Boll die Chance, ihr Erbe zu Geld zu machen, das der kleinen Familie helfen würde, endlich aus dem schäbigen Plattenbau auszuziehen, ein Erbe mit einem bösen Geist allerdings, der sich nur verzieht, wenn Kinderlachen und Sonnenflecken das Haus durchfluten. Weiterlesen

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Schon wieder die Motiv-Frage

km3Der Kongress KrimisMachen3 fand vom 1.-3. September in Hamburg statt. Schön war es, sich mit Menschen auszutauschen, die an unterschiedlichen Stellen der Buchproduktion wirken. In Gesprächen abseits der Panels, aber auch in der Diskussion stellte sich seltsamerweise die Frage der Motivation: Warum schreibe ich Kriminalromane? Die kenne ich schon, seit ich ganz frisch in den Literaturbetrieb geraten war. 2011 befragte ich Autoren des Syndikats danach, weiter unten stehen noch einmal Ergebnis und Interpretation. Dass sich die Frage nach dem „Warum“ auch heute und für arrivierte Autor*innen stellt, hat mich überrascht. Zwar ist die Frage nach dem Motiv interessant, sagt aber wenig über den Gegenstand, also mehr oder weniger gelungenen Text aus. „Wie“-Fragen können ohnehin viel mehr … Vielleicht kümmere ich mich noch um sie. Hier erst einmal die kleine Umfrage von 2011:

Krimi – Warum das denn?

Da komm ich hier ahnungslos rein, also in den Krimi-, Literatur-, Buchbetrieb, will mir gerade ein Bier bestellen und was passiert? Es gibt Streit. Vorsichtshalber geh ich in Deckung neben der Klotür und schau zu. An dem einen Ende vom Tresen ereifern sich Lektoren und Verleger über Berge von schrottigen Manuskripten, am anderen klagen Autoren über Ablehnungen, mangelnde Verkaufszahlen, unzureichende Wertschätzung. Gegenüber regen sich Buchhändler über Folianten von Katalogen mit gigantischen Titelzahlen auf und wettern auf Buchsupermärkte. Hinter Bücherstapeln starren Kritiker in ihren Schnaps. Manchmal erschüttert ein Schmerzensschrei aus ihrer Ecke das Gebäude. Ein verschreckter Leser flieht, die anderen winken dem Keeper und singen. „Einer geht noch …“ Jeder in dem Laden hat seinen Platz. Nach zwei, drei Bier trau ich mich weg von der Klotür und frag eine aus der Autorenrunde, was hier los ist. Weiterlesen

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Rezension: „Die Lieferantin“, Zoë Beck

DownloadSchmerzfreiheit und Schlaf für alle!

Unter Umständen gibt es keine Alternative für einen gebeutelten Gastronomen, als den persönlichen Schutzgelderpresser im eigenen Betonboden zu versenken, selbst wenn man sich damit akustische Intrusionen einhandelt oder sich die Gewaltexzesse im postbrexitischen Königreich zur Last legen muss, wie Leigh – freundlich, kompetent, schwul – das egozentrisch tut. Denn der Erpresser hatte eine alteingesessene, exzellent vernetzte Organisation hinter sich, die sich nicht gern in die Suppe spucken lässt. Schon gar nicht von jemand Neuem, der ihr den Gewinn aus Drogengeschäften schmälert und auch noch eine Frau ist, die sich im Darknet „TheSupplier“ nennt, wie der Boyce-Clan entdecken wird. Weiterlesen

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Gesellschaft aus dem Ehebett betrachtet

511bdbxDrsL._SX345_BO1,204,203,200_Ehe für alle – ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichstellung. Aber was es mit der Ehe auf sich hat … Liebe und so? Ich denke, sie ist ein Vertrag mit dem Staat und es gäbe noch einiges zu tun an den Vertragsbedingungen. Lena Blaudez hat 2013 ein Buch publiziert, dass sich mit diesem Vertrag befasst, auf sehr unterhaltsame Weise:

Rosa ist der Einband des Buches mit Icons darauf wie Sticker: Brautleute und Herzchen (man ist versucht, sie abzuziehen). Außerdem kommt es im Stil von Frauenzeitschriften und als Quiz, wie der Titel schon sagt, daher. Ganz harmlos, eigentlich. Doch gleich auf den ersten Seiten werden wir gewarnt. Und das zu Recht! Weiterlesen

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Krimis machen 3

Im September findet die Veranstaltung statt. Hier geht es zu den Infos:

Krimis machen 3

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Drift – ein philosophischer Roman von Anne Kuhlmeyer

Eine schöne Rezension zu DRIFT von Gudrun Lerchbaum. Ich freu mich sehr!

g:textet

Schon in ihren letzten beiden Büchern Es gibt keine Toten und Nighttrain hat Anne Kuhlmeyer sich nicht viel um die angeblichen Regeln des Genres Krimi geschert. Mit Drift lässt sie diese endgültig hinter sich und es ist gut so! Das ist mal ein Buch – poetisch philosophisch und anspielungsreich, spannend, raffiniert und voller feinem Humor.

Acht Menschen, durch eine Flutkatastrophe aus ihren Plänen, aus ihrer steten Suche nach dem guten Leben gerissen, suchen Schutz in einem einsamen Haus. Doch nur fünf von ihnen schaffen es hinein, dreien wird die Zuflucht und damit das Recht auf ein Überleben verwehrt.

Schon in dieser Konstellation offenbart sich, wie vielfältig die Bezüge sind, die die Autorin zu unserem Leben, unserer Gesellschaft setzt. Unangestrengt und mit Mut zu Leerstellen verflicht sie unterschiedliche Biografien, reale und surreale Elemente und vielfältige Bedeutungsebenen, denen man teilweise erst langsam auf die Spur kommt. Doch selbst die unerklärlichen Ausflüge, bei…

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Vogelfrei. [Rezension: Max Annas: Illegal]

41CuFxqEzvL._SX304_BO1,204,203,200_Keine Explosion, nur eine winzige, schroffe Geste an einer roten Ampel in Berlin (an roten Berliner Ampeln weiß man nie, was man tun soll) ist es, die Kodjo und den Roman in Bewegung setzt. Falscher Ort, falsche Zeit. Eine Polizeistreife hat Kodjo und seinen Freund Saif entdeckt und los geht die Verfolgung. Überhaupt ganz falsch ist Kodjo aus Ghana, illegal nämlich, heißt – ohne gültige Aufenthaltspapiere. Hat man nicht die passenden Zettel, ist man nichts und muss sich durchschlagen, aufpassen, dass man niemandem in die Quere kommt, der Staatsmacht nicht und nicht dem Durchschnittsrassisten, der sich auf der Straße rumtreibt. Unsichtbar muss man sein. Nicht einfach für einen großen schwarzen Mann, nicht einmal im hautfarblich bunten Umfeld der Hauptstadt. Aber Kodjo ist erfahren, seit zehn Jahren lebt er in Deutschland, und gut vernetzt. Der studierte Historiker arbeitet in einem kleinen, gut geführten Restaurant, „schwarz“ versteht sich, in dem es Wärme und Freundschaft gibt. Sein Ziel – „legal werden“ – ist ihm mit der Zeit abhanden gekommen. Weiterlesen

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Freude

… über die tolle Rezension zu DRIFT bei CrimeMag. Gespannt und ein bisschen ängstlich schaut man als Autorin ja, wie es dem Buch geht, das man in die Welt geschickt hat. Wie Leute es lesen, was sie dazu sagen …

Deswegen muss ich die Freude über diese Rezension jetzt mal hier teilen. Den Text findet Ihr hier.

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Rezension: Andreas Kollender: Von allen guten Geistern

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Ludwigs Mutter tötet sich in den Folterkellern, denn Krankenhaus kann man diesen Ort nicht nennen, von St. Georg in Hamburg. Demente, psychisch Kranke, Verwirrte, Schwule, Behinderte oder auch unliebsame Zeitgenossen werden von den „Normalen“ separiert, Gewalt und Verwahrlosung ausgesetzt, damit ihnen der „Unsinn“ ausgetrieben werde. In Andreas Kollenders Roman treffen wir auf alle Schaurigkeiten, die die Geschichte der Psychiatrie aufzuweisen hat. Er erzählt sie an der Person des Ludwig Meyer (1827 geboren) entlang.

Die rasanten wissenschaftlich-technischen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts und deren ökonomischen Folgen zündeten nicht nur das Feuer der 1848er Revolution, an der Meyer teilnimmt, sondern entfesselten auch den Streit zwischen Somatikern und Psychikern in der Medizin, der bis heute albern aufflammt. Sein Futter bezieht er aus Kausalitätsfragen. Zieglgänsberger (Max-Planck-Institut München) erklärte die Rolle von Psyche und Körper bei der Entstehung von Schmerz (z.B.) einmal so: Ihre rechte Hand ist der Körper, die linke die Psyche. Klatschen Sie in die Hände. Und nun sagen Sie, welche Hand den Schall gemacht hat. Weiterlesen

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